Der Herr im blauen Hemd

In unserem Verein da gibt es den Herrn im blauen Hemd.

Der Herr im blauen Hemd hat mal für uns gespielt. Er war ein mittelmässiger Stürmer, der mehr durch seine Eloquenz neben dem Platz und seine akkurat gegelten Haare auffiel als durch seine sportlichen Leistungen. Am Ende seiner Fußballerkarriere beschloß der Herr im blauen Hemd ganz fett ins Managergeschäft einzusteigen. Er verwies auf seine sportliche Erfahrung und seine vielfältigen Kontakte und gepaart mit seinem brillianten Auftreten vor Publikum schien ein neuer Star am Managerhimmel aufzugehen.
Angestellter seines Vereins zu sein und sich schlicht um schnöde sportliche Belange zu kümmern genügte ihm nicht und so schaffte er es auch durch seine Überzeugungskraft in den Vorstand des Vereins gewählt zu werden, wo er nun als sein eigener Chef und Mitarbeiter schalten und walten konnte.

Der Herr im blauen Hemd fügte sich ganz schnell in seine neue Rolle ein und genoß es sichtlich nun im Umfeld seiner ehemaligen Arbeitgeber Respekt und Anerkennung zu genießen. Er schaltete geschickt alle kritikfähigen Menschen um sich aus, sonnte sich in den Erfolgen Dritter und schuf sich eine private Nähe zu anderen Verantwortlichen. Kurzum, Machiavelli hätte ihn wohl vor lauter Begeisterung adoptiert.

Bei den römischen Diktatoren lieh er sich das Prinzip des panem et circensis aus und gab dem aufbegeherenden (Fan-) Volke einen neuen Zirkus Maximus mit schwarz-weiß-grünen Sitzen. Bei aufmuckenden Gladiatoren gab es schneller mal den Daumen runter und seine Ziele setzte er sich so, daß sie entweder gar nicht verfehlbar waren oder Dritte am Mißerfolg die Schuld trugen.
Der Herr im blauen Hemd sah einer glänzenden Zukunft entgegen und schritt selbstbewusst immer wieder vor das Volk um seine Sicht der Dinge kundzutun. Leider vergaß der Herr im blauen Hemd zusehends, daß dies nicht seine originäre Aufgabe war.

Auch wenn dem Herrn im blauen Hemd diese Auftritte sichtbar gefielen, so unüberlegt, kurzsichtig und zeitweise dumm waren seine Äußerungen in der Öffentlichkeit.
Er sprach über Kollegen und Angestellte, über Fans, über Eintrittspreise, über Sponsoren, über seine Tribüne, egentlich redete er immer wenn er gefragt wurde. Die Presse hatte jedesmal seine helle Freude an Interviews, wußte diese doch schelmisch grinsend, dass sich jedesmal ein Fettnäpfchen auftun würde in das der Herr im blauen Hemd nicht treten, sondern mit Anlauf und doppeltem Salto hineinspringen würde.

Entrüstete sich das Fanvolk, so gab es jedesmal entsprechende Gegenmaßnamen, die einen Uraltfan zu der treffenden Äußerung trieb: „So wie hier immer wieder vor- und zurückgerudert wird, müssen wir uns nun endlich in Ruderverein Preußen Münster umbenennen!“

Nun gibt es in unserem Verein noch einen weiteren Herrn, der auch manchmal ein blaues Hemd trägt: dieser heisst Michael Joswig und trägt seine Arbeitskleidung zwischen den Pfosten unseres Tores.
Michael Joswig verkörpert all das, was Fußballfans lieben: Er ist bescheiden, fleißig, ehrgeizig, kritikfähig, loyal, kollegial, laut auf dem Platz, reisst sich den Arsch auf und hat immer Augen und Ohren bei den Fans. Diese Eigenschaften gepaart mit seinen hervorragenden Fähigkeiten als Torhüter machen ihn zu einer Bereicherung für jeden Verein.
Leider verlässt Micha uns nun. es konnte „keine Einigung“ mit ihm erreicht werden. Das ist schade, aber so ist das Geschäft und Lebbe gehd weida…wäre da nicht der Herr im blauen Hemd.
Der Herr im blauen Hemd hat nämlich mal wieder geredet. Zunächst vor ein paar Wochen, als er sagte, man wolle Michael unbedingt halten und heute, dass es die besagte Einigung nicht gegeben hätte. Um diese nicht erzielte Einigung ranken sich einige Gerüchte, die hier nicht weiter erwähnt werden sollen, aber der Abschiedsgesang des Herrn im blauen Hemd lässt gerade Volke’s Seele erbeben: „Das ist kein Beinbruch!“

Diese Scheissegal-Floskel muß endlich Konsequenzen haben! Sie ist unanständig, stillos und ein Schlag ins Gesicht eines jeden Fans und aller Spieler, die sich nicht nur des Geldes wegen hier abrackern!

Michael Joswig ist für viele Integrationsfigur und eine Ikone. Ob zu Recht sei dahingestellt, aber der Vereinsvorstand weiß um die Beliebtheit unseres Keepers und tritt diese brachial mit Füssen.
Fans, Sponsoren und Öffentlichkeit haben den Herrn im blauen Hemd immer wieder darauf hingewiesen, dass er sich um seine sportlichen Belange kümmern soll und kompetenten Menschen die Kommunikation überlassen muß.
Um das klarzustellen: aus rein sportlicher Sicht sind die Leistungen des Herrn im blauen Hemd ggf. diskussionswürdig aber ansonsten kein Thema hier.

Der Herr im blauen Hemd hat sich stets berufen gefühlt, Ultràs, Fans oder Bauarbeiter als „imageschädigend“ hinzustellen.
In Wahrheit ist der größte Imageschaden dieses Vereins der Herr im blauen Hemd.

Das wenigste was man nun erwarten darf ist eine Relativierung dieser Aussagen als weitere Schadensbegrenzung und daß der Herr im blauen Hemd nun Dieter Nuhrs wichtigste Weisheit als Vorgabe bekommt!

Mit uns Fans wird er niemals Frieden finden, soviel steht nun fest.

Wäre die Konsequenz härter und dieses Theater wird nun der Genickbruch für den Herrn im blauen Hemd, dann wäre das für unseren SCP garantiert kein Beinbruch!


5 Antworten auf „Der Herr im blauen Hemd“


  1. 1 Konnie 20. Mai 2009 um 18:24 Uhr

    Würde mich gar nicht wundern, wenn der Herr im blauen Hemd morgen im Stadion eine weiße Weste trägt.

  2. 2 Tobi 20. Mai 2009 um 19:01 Uhr

    Genial, du bringst es so was von auf den Punkt!

  3. 3 pauper 20. Mai 2009 um 19:43 Uhr

    Treffender Artikel

    Mal nebenbei:
    http://www.youtube.com/watch?v=SGD2q2vewzQ

  4. 4 preusse 20. Mai 2009 um 20:12 Uhr

    Der Herr im blauen Hemd – wirklich genial; wenn es nicht so trauig wäre…

  5. 5 nicht blaues Hemd 31. Januar 2012 um 15:27 Uhr

    Und es passt schon wieder….

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