Archiv für Mai 2009

Mythos Motivation

Die Saison ist rechnerisch gelaufen, zu viele Punkte Abstand zur Spitze um noch etwas zu reißen, zu weit nach Unten um in den Strudel des Abstiegskampfes gezogen zu werden.
Trister Ligaalltag für viele Mannschaften, egal ob Liga 1 oder 5.

Wie gehen nun Trainer und Mannschaft mit einer solchen Situation um? Nach unserem Lustlosgekicke gegen BMG II gibt es auch im Preußenanhang eine lebhafte Diskussion, schwankend zwischen Verständnis und grenzenlosem Zorn. In höheren Klassen wird da auch gerne einmal der „Scheiss-Millionäre“-Song abgelassen.
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Ultrà – Quo vadis?

„Ich gehe jetzt schon seit 15 Jahren ins Stadion…“
Viele (meistens die dümmsten!) Fußballforeneinträge beginnen mit diesen Worten!
Scheinbar gibt es bei den meisten dieser Floskelnutzer das dringende Bedürfnis, seinen unter vielen hundert anderen Fans eher anonymen und dadurch schwachen Status mal deutlich aufzupolieren.
Wenn man im Stadion schon nicht als Individuum auffällt, so sollte doch wenigstens die Anzahl der Stadionbesuche – bzw. in diesem Fall die Zeit des Fandaseins – ein Hinweis auf die Kompetenz des jeweiligen Verfassers geben.

In meinem Lieblingserein ist das leider auch Usus…
Wer mal ein wenig schnuppern will, bitte sehr: westline oder
oder auch gerne hier: Preußenfanforum.

Ganz besonders amüsant sind diese Hinweise aber in Bezug auf unsere Ultràs.

Zur gegenwärtigen Situation:
Die Ultrá-Szene in Münster ist ein extrem heterogenes Gebilde mit einer etwa 6-jährigen Geschichte.
Zusammengeschlossen in der CURVA MONASTERIA wurden in den vergangenen Jahren Choreografien, Gesänge und Support geleistet, die in unserem Liganiveau mehr als bemerkenswert sind. Wie bei so vielen anderen Ultrá-Szenen auch, gibt es ein sehr ambivalentes Verhältnis zum Staat und seiner Exekutive. So gibt es auch bei uns regelmäßig Zoff mit den Ordnungshütern und eine kleinere „SEK SV“ (Sektion Stadionverbot) gibt es ebenfalls.

Im Rahmen einer längerer, interner Auseinandersetzungen spaltete sich eine größere Gruppe unter dem Namen „DEVIANTS“ Anfang des Jahres ab.
Neben einer optischen und akustischen Rivalität kommt es regelmässig zu Auseinandersetzungen verbaler, publizistischer und zuletzt gar physischer Art.
Nein, diese Situation ist aus Fansicht nicht wirklich angenehm. Trauriger Höhepunkt des Fremdschämens gegenüber gegenerischen Fangruppen war das Auswärtsspiel beim 1.FC Köln II, bei dem eine Abordnung der rheinischen „Wilden Horde“ den westfälischen Anhängern ein choreografisch amüsantes Spiegelbild vorhielt.

Nun schreit ein Großteil der übrigen Fanszene nach öffentlicher Aufklärung und fühlt sich berufen diese auch bevorzugt in den o.g. Foren einzufordern.
Markanterweise nimmt der Mismut und das Unverständnis nun mit der Größe der Zahl der eingangs genannten Floskel zu.

Warum ist das so? Weil die Ultrás auf der einen Seite für viele „Alte“ immer noch eine völlig fremde Erscheinung sind, andererseits ein extrem wichtiger Bestandteil der Stimmung innerhalb unseres Ovales darstellen. Die Konsequenz ist für die Anderen Ohnmacht. Man kann nicht mitreden, weil man keine Informationen erhält, man will aber meckern, weil der Auftritt dieses Schamgefühl auslöst…

Was die „Alten“ aber unbedingt lernen müssen, ist was dieses Ultrà-Dasein für die Involvierten bedeutet, dass Ultrà mehr ist als Supporter oder Fan, ja sogar mehr als eine Subkultur. Mit dem Begreifen der Motive und des Lebensstils der Ultràs folgt nämlich auch gleich die Antwort, warum unsere Ultràs gar keine öffentlichen Stellungnahmen zu Internas abgeben (können)!

Der Titel des Deviants-Fanzines lautet daher auch wohlgewählt „Omertá“
Jeder der also öffentliche Auskunft verlangt sollte sich gewiß sein, genau das Gegenteil zu erreichen! Die Alternative: Hingehen, Fragen, Diskutieren! Erstaunlicherweise klappt dies sogar vorzüglich mit gegnerischen oder mit Münster verfeindeten Ultràs.
Und siehe da, es gibt sogar Antworten. Diese sind subjektiv, parteiisch, engstirnig und zum Teil auch unglaubwürdig, aber es gibt sie.

Ja, ich persönlich finde es auch schade, daß es verfeindete Fangruppen gibt, die dem Grunde nach in der Sache vereint sein müssten, aber es ist ein evolutionärer Prozess, der kommen mußte und der seinen Anfang und sein Ende haben wird.

Aber ein ererbtes Recht auf Verständnis oder sogar Mitreden gibt es hier nicht – auch bei mir nicht, nach fast 30 Jahren im Stadion.