Totales Systemversagen

Totales Systemversagen

Wenn ich eine Frage an Polizeidirektor Martin Mönnighoff frei hätte, würde die so lauten:

Was ist das eigentlich für ein Gefühl, wenn einem kein Mensch mehr traut?

Meine erste Begegnung mit ihm hatte ich auf einer ÖASS-Tagung vor einigen Jahren. Bereits im Einleitungssatz kündigte er an, sich des „Fanproblems“ in Münster anzunehmen.
Was er konkret mit diesem Problem meinte, spiegelte sich dann in diversen Maßnahmen gegen die Münsteraner Fanszene und fand ihren vorläufigen Höhepunkt nun in der widerrechtlichen Behandlung von Rolo und in den scheinbar willkürlich gestreuten Betretungsverboten.
Mein persönliches „Highlight“ war eine lebhafte Diskussion mit ihm über den „Aufruf zur Gewalt“ im Video von Sancho und Ketzer (wer mag, darf gerne hier auch nochmal danach suchen) im Polizeipräsidium.
Wir hatten aber auch Gemeinsamkeiten, denn selbst er stimmte mir zu, als ich einmal bemerkte, unser gemeinsames Ziel sei es doch viel weniger Bullen im Stadion zu haben;
lediglich der Weg zu diesem Ziel wird wohl dauerhaft inkongruent bleiben.


..als hätten wir in unserem Lande keine wichtigeren Probleme als das hier. (Danke Klein-Muffi für das Foto)

Das Fanprojekt hatte ihm (als damals noch relativ frischer Beamter in Münster) deutliche Gesprächsbereitschaft signalisiert, dass zu einem beiderseitigen Verständnis und Kooperation bei Fanbelangen führen sollte. Gedankt wurde dies bei einer Sicherheitskonferenz mit einem brachial durchgesetzten und völlig unsinnigen Fahnenverbot beim Derby.
Der heutige Vorstand des Fanprojektes hat ihm die Zusammenarbeit in der ÖASS nun mangels Vertrauen nach der Causa Böckmann aufgekündigt. Eine mutige, aber absolut nachvollziehbare und begrüßenswerte Konsequenz.

Vertrauen Fanprojekt: zerstört!

Nachdem die Richter in Münster ihn für den Durchsuchungsbeschluss bei Roland Böckmann amtlich abgewatscht haben, dürfte auch sein Standing bei der Staatsanwaltschaft, die sich auf sein Betreiben zu weit aus dem Fenster lehnte, einen mächtigen Knacks bekommen haben. In Münsteraner Fankreisen nimmt man dies mit Genugtuung und einer berechtigten Portion Schadenfreude zur Kenntnis.

Vertrauen Staatsanwaltschaft: beschädigt!

Der Verein hatte ihm ja bereits vor 2 Wochen deutlich mitgeteilt, was man von seinem Vorgehen hält, einen beliebten und zuverlässigen Mitarbeiter öffentlich so zu demontieren.
Wer auch immer Rolos Job nun übernimmt, er wird diese Geschichte immer im Hinterkopf haben (müssen).

Vertrauen Verein: eisig!

Auch unsere Medienlandschaft konnte sich einiger bissiger Kommentare zum Gerichtsurteil nicht erwehren. Die „schallende Ohrfeige“ für Mönnighoff wurde damit auch beim weniger fußballaffinen Volk in Münster publik und wie man mitbekam auch sehr lebhaft diskutiert.

Vertrauen Öffentlichkeit: angeknackst!

Nachdem nun durchsickerte, dass auch bei den „szenekundigen Beamten“ personelle Konsequenzen gezogen wurden und im Nachgang einer der Beamten aus der Einsatzgruppe entfernt wurde, werden nun neben Böckmann weitere Bauernopfer in diesem Spiel gesucht.

Vertrauen SKBs: vermutlich nicht so dolle!

Es ist kein Geheimnis, dass die Ultras in der Münsteraner Szene sicher nicht unumstritten sind und manche ihrer Auftritte sogar deutlichen Widerspruch provozieren.
Aber selbst bei einigen hartgesottenen Anti-Ultras gibt es mindestens Kopfschütteln über die von der Polizei erwirkten Betretungsverbote nach dem Gießkannenprinzip und gegen zum Teil rechtlich völlig unschuldige Fans. Dass mit der massiven Anwendung des §34 des Polizeigesetzes NRW Ruhe und Ordnung beim Fußball hergestellt werden können, ist bisher nur in der Theorie bewiesen. Dem Fan ist das als Präventivmaßnahme nicht mehr zu verkaufen, sondern hat ganz klar einen judikativen Geschmack.
Bleibt nur zu hoffen, dass die Betroffenen sich nicht weiter radikalisieren und im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten erfolgreich gegen diese um sich greifende Unart vorgehen.

Vertrauen aktive Fanszene: völlig zerrüttet
!

Diese Bilanz ist niederschmetternd!

Mönnighoff hat sich mit seinem unüberlegten Aktionismus und einer gehörigen Portion Beratungsresistenz selbst total ins Abseits geschossen.

Das System, bestehend aus „Null Toleranz“ und absoluter Ahnungslosigkeit in speziellen Fanbelangen hat total versagt!

An dieser Stelle wünscht man sich Beamte, die in der Lage sind ihre Einstellung zu hinterfragen, aus Fehlern zu lernen und notfalls auch mal mit dem Kopf zwischen den Beinen ein neuen und konstruktiven Weg zu gehen.
Ob die Münsteraner Polizei in der gegenwärtigen Zuständigkeit dazu in der Lage ist, darf mit Recht bezweifelt werden. Der Ball ist jedenfalls jetzt im Polizeipräsidium.


1 Antwort auf „Totales Systemversagen“


  1. 1 Mamerki 04. Februar 2016 um 17:22 Uhr

    Jetzt kannst Du schreiben:

    Absolut Totales Systemversagen

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